Der Ipf in frühkeltischer Zeit

Am Westrand des Nördlinger Rieses erhebt sich der Ipf bei Bopfingen. Um 200 m überragt der 668 Meter hohe Berg Jura die ehemalige Reichsstadt Bopfingen. Er ist nicht nur ein markantes Naturdenkmal sondern zählt inzwischen zu den bedeutendsten archäologischen Denkmälern der Region. Luftbildaufnahmen erbrachten 1998 den Nachweis eines Großgrabhügels unmittelbar östlich des Berges. Seither ist klar, dass der Ipf zu den frühkeltischen Fürstensitzen zählt. Geophysikalische Prospektionen sowie Ausgrabungen in der Umgebung lieferten weitere Belege:östlich des Weilers Osterholz wurde ein dreiphasiger Rechteckhof mit Hinweisen auf keltische Eisenverhüttung entdeckt. Westlich des Weilers eine weitere Rechteckanlage, die wohl eine frükeltische Kultstätte des 6./ 5. Jahrhunderts v. Chr. umschlossen hat. Unter den Funden vom Ipf und der unmittelbaren Umgebung finden sich Scherben greichischer Keramik und Fibeln aus Norditalien. Diese Importgüter zeugen von der Bedeutung und dem Einfluss der keltischen Fürsten vom Ipf.

Geschichtliche Chronologie

Das Keltische Zeitalter umfasst im wesentlichen das Zeitalter von 800 v.Chr. bis zum Jahr 0. Wissenschaftlich betrachtet umfasst in unserer geographischen Region dies die sog. Hallstatt- und LaTene-Kultur.Vor diesen Kulturen lag die sog. Urnenfelderkultur, die den Ursprung der keltischen Kultur umfasst.
Zur Verdeutlichung und chronologischen Einordnung der verschiedenen Begriffswelten dient folgende Graphik (nach: [Rieckhoff, Biel 2001] und diversen Web-Quellen):

Grabungen und Prospektionen rund um den keltischen Ipf

1907/1908 - Friedrich Hertlein - Ipf Gipfelplateau

Jahr
1907/08
Art
Ausgrabung
durch
Friedrich Hertlein
Ort
Ipf Gipfelplateau - Ostseite
Beschreibung
2 Grabungsschnitte innerhalb und ausserhalb der Randbefestigung
Funde/Erkenntnisse
  • bis 1.5m mächtige Kulturschicht hinter der Randbefestigung
  • bis 2.5m mächtige Kulturschicht innerhalb der Randbefestigung
Zeitstellung
jüngere Urnenfelderkultur - Hallstatt - Späthallstatt
Literatur

1999 - Harald von Osten-Woldenburg - Ipf Gipfelplateau

Jahr
1999
Art
Geomagnetische Prospektion
durch
Harald von Osten-Woldenburg
Ort
Ipf Gipfelplateau
Beschreibung
Geomagnetische Prospektion des gesamten Gipfelplateaus
Funde/Erkenntnisse
  • lineare Anomalien, die von Eintiefungen im anstehenden Fels stammen (Gräben, Gruben)
  • spitz zulaufender Korridor ausgehend vom historischen/heutigen südlichen Zugang
  • rechteckige Einfriedungen (Gebäude, Palisaden)
Literatur

2004 - Rüdiger Krause - Ipf Gipfelplateau

Jahr
2004
Art
Grabung
durch
Rüdiger Krause / DFG
Ort
Ipf Gipfelplateau Zentrum/Ostseite
Beschreibung
2 Grabungsschnitte (im Zentrum des Plateaus und Ostseite innerhalb der Randbefestigung)
Funde/Erkenntnisse
  • In Rohfels gehauene Gräbchen (bis 0.8m Tiefe)
  • Pfostengruben (Gebäude, Zäune, Palisaden)
  • Scherben/Keramik (Urnenfelderkultur, Hallstatt)
  • Trockenmauerfundamente in Kulturschichten der späten Hallstattzeit - ungewöhnliche Bauweise für diese Zeitstellung
  • griechische Scherben in Kulturschichten der späten Hallstattzeit
    • Insgesamte Anzahl griechischer Scherben vom Ipf: 10
    • darunter zwei Wandscherben einer schwarzfigurigen Halsamphore (Abb. 10, ca. 530/520 v.Chr.)
  • Fibeln aus dem gesamten Zeitspektrum von HaD1 bis D3
  • * Reste von späthallstattzeitlichen Fibeln
  • Frühlatenezeitliche Funde fehlen weitgehend
  • Scherben des späten Neolithikums & Römerzeit
Zeitstellung
jüngere Urnenfelderkultur (Scherben) - Hallstatt - Späthallstatt
Literatur

2004/2005 - Arno Patzelt - Ipf Unterburg

Jahr
Winter 2004/2005
Art
Geomagnetische Prospektion
durch
Arno Patzelt (Terrana Geophysik)
Ort
Ipf Unterburg innerhalb des äußeren Walles (Süden, Osten)
Beschreibung
Geomagnetische Prospektion einer Fläche von ca. 5ha
Funde/Erkenntnisse
  • Untersuchung der Hang- und Ackerterassen im Süden und Osten der Unterburg
    • keine Hinweise auf prähistorische Bebauung der Terassen
    • linerare Annomalien sind nicht auf Terassen ausgerichtet
    • Terassen zerschneiden hallstattzeitliches Grubenhaus => Terassen stammen aus historischer (nicht prähistorischer) Zeit
  • linerare Strukturen von Gräbchen
    • nicht auf Terassen ausgerichtet
    • Aufteilung in quadratische/rechteckige Einfriedungen von bis zu 60x60m Größe
    • keine/kaum Anhaltspunkte einer Hausbebauung
Literatur